Rainer Ziplinsky ist schon immer gelaufen. Doch als er mit 16 Jahren vierzehnter in der Landesbestenliste wird, interessiert sich in Deutschland kaum einer für den Laufsport.
Als Läufer werden ihm damals „schneller, schneller“ oder "1-2-1-2" hinterhergerufen. Es gibt keine Freitzeitläufer:innen. Laufen existiert nur als Leistungssport.
Ein anderes Bild wurde ihm 1980 in New York eröffnet: Läufer:innen laufen durch die überfüllten Straßen und durch den Central Park. Und das nicht nur anlässlich des bevorstehenden New York Marathons. In den USA betritt er auch das erste Mal einen Laufladen. Hier kauft er sich sein erstes Paar Laufschuhe.
Zurück in Deutschland weiß er, dass Laufen sein Leben ist und entwickelt den Plan, einen Laufladen in seiner Heimatstadt Kiel aufzumachen. Doch die einzigen bekannten Hersteller von Laufschuhen – Adidas und Puma – wollen ihn nicht beliefern. Als ihm ein Freund von der unbekannten Marke „Nike“ erzählt, schöpft er neue Hoffnung und kündigt seinen Job als Programmierer. Im Dezember 1982, zu einer Zeit, wo sich in Deutschland keiner etwas unter einem Laufladen vorstellen kann und bei dem Namen „Nike“ an die griechische Göttin gedacht wird, eröffnet er ZIPPEL’S Läuferwelt in Kiel.
Sein Laufladen-Abenteuer startet er als ein-Mann-Geschäft auf 45 Quadratmeter und mit einer großen Portion Laufleidenschaft. Doch als der Schnee im Januar nicht aufhören will zu fallen und die Kundschaft ausbleibt, machen sich erste Zweifel breit: „Wer übernimmt im Laden, wenn ich mich verletzte?“ „War die Kündigung des Jobs voreilig?“ „Brauche ich mehr Lieferanten?“ Sein Kapital ist sein guter Ruf in der lokalen Läuferszene und als das Wetter besser wird, entdeckten immer mehr Kunden „Zippels“ als Anlaufstelle für Expertise rund um den Laufsport.
ZIPPEL’S Läuferwelt wächst und mittlerweile gibt es neben dem Laden in Kiel auch Filialen in Lübeck, Norderstedt, Flensburg und auf Sylt.
Rainer Ziplinsky läuft immer noch leidenschaftlich – zu seinem 70. Geburtstag ist er dann sogar nochmal, einen Marathon gelaufen.