Mein Körper ist keine Maschine

Noch 294 Tage bis Rainer Ziplinsky, Gründer von ZIPPEL’S Läuferwelt noch einmal einen Marathon laufen will. Und das mit 70 Jahren! Er hat sich hohe Ziele gesetzt und ist fest entschlossen, die 42,195 Kilometer in unter 3:30 Stunden zu schaffen. In diesem Blog berichtet er über seine Vorbereitung, seine Ziele und von den Höhen und Tiefen, dass das Lauftraining mit sich bringt.

Die 9. Trainingswoche liegt hinter mir. Ich bin nach meinen Kniebeschwerden in der vorletzten Woche doch noch sehr verhalten gelaufen. Glücklicherweise hat sich mein Knie dann aber nicht mehr „gemeldet“.

Ich möchte mit meinem Blog die Vorbereitung auf den Hamburg-Marathon im Frühjahr 2022 über ca. 1 Jahr dokumentieren. Es kommen häufiger Fragen auf wie reicht denn dein Training? Wann machst du längere Läufe? Wie sieht es mit Tempotraining aus? Ich habe es an anderer Stelle schon geschrieben. Natürlich ist ein Jahr Vorbereitung auf einen Marathon sehr lang und unter normalen Umständen auch nicht erforderlich. Der Unterschied zu früher ist, dass ich jederzeit in der Lage gewesen bin, aus dem normalen Training heraus einen Marathon zu laufen. Eine entsprechende Vorbereitung diente dann dazu, die bestmögliche Marathonzeit zu erzielen und umfasste bei mir etwa 16 Wochen. Da ich die letzten Jahrzehnte mehr oder weniger nach Lust und Laune gelaufen bin, ist mir diese Grundlage verloren gegangen und ich muss mir diese Fähigkeit wieder erarbeiten. Daher ist es für mich sehr wichtig, im ersten halben Jahr wieder einen Trainingsrhythmus zu finden und mich mental auf die anstehende Belastung vorzubereiten.

Trotzdem werde ich versuchen, mein Trainingspensum langsam und kontinuierlich zu steigern. Aber eines stelle ich nach den ersten Wochen auch fest: Mein Körper ist keine „Maschine“. Er ist sicherlich auch altersbedingt fragil und anfällig geworden. Ob er in letzter Konsequenz der kommenden Belastung überhaupt standhält, wird sich zeigen. Auf jeden Fall kann ich mir vorstellen, dass ich noch die ein oder andere Verletzung bekommen könnte und zeitweise immer mal wieder pausieren muss. Also muss mein Bestreben sein, eine vernünftige Balance zwischen Trainingseffekt und Gesundheit zu finden, sodass es bestenfalls keine Ausfallzeiten oder zumindest nur geringe gibt. Des Weiteren stelle ich fest, dass der Trainingsfortschritt nicht besonders zügig verläuft. Auch das ist vermutlich meinem Alter geschuldet. Früher hatte ich meistens ein Gefühl von Leichtigkeit und ich spürte, wie sich der Trainingsfortschritt bemerkbar machte. Heute spüre ich keine konstante Entwicklung.

Ein körperlicher Grenzgang

Nach guten Tagen folgen häufig sofort schlechte oder auch umgekehrt. Ich versuche täglich meinen Körper zu verstehen und ihn, wieder besser kennenzulernen. Aber er gibt mir auch immer wieder Rätsel auf. Mit 70 Jahren noch einen Marathon zu laufen, stellt auch meinen Körper vor große Herausforderungen. Neben aller Unsicherheiten und einer gewissen Skepsis, was das Ergebnis angeht, finde ich diese Situation trotzdem spannend und entdecke das leistungsorientierte Laufen für mich wieder neu. Ich freue mich auf diese neue Lebenserfahrung. Der Wahlspruch „Laufen ist mein Leben“ trifft meines Erachtens auf mich ganz besonders zu. Einerseits laufe ich mittlerweile seit über 53 Jahren und andererseits bin ich seit fast 39 Jahren auch beruflich mit dem Thema Laufen verbunden. Der Großteil meines Lebens hat sich in den vielen Jahren fast „rund um die Uhr“ mit dem Thema Laufen beschäftigt. Deshalb liegt es für mich nahe, dass es mein selbst ernanntes Ziel ist, bis zum letzten Tag meines Lebens laufen zu können. Das wäre für mich eines der schönsten Geschenke und ich würde es als ein großes Glück empfinden.

Letzte Woche erreichte mich aber die Nachricht, dass ein Läufer der LG Albatros im 63. Lebensjahr während seines letzten Laufes verstorben ist. Er war mir gut bekannt, stand er uns doch als Laufbetreuer bei den Vorbereitungsläufen für den Kiel.Lauf und am Veranstaltungswochenende selbst als Helfer zur Verfügung. Beim letzten Helferessen, 2019, saßen wir noch gemeinsam am selben Tisch und hatten viel Spaß miteinander. Obwohl Dirk so gestorben ist, wie ich es mir grundsätzlich für mich wünsche, bin ich schockiert und sehr traurig über seinen Tod. Dennoch bin ich der Meinung, dass der gesundheitliche Mehrwert durch das Laufen um ein Vielfaches größer ist als ein eventuelles Risiko.

Wochenkilometer: 39,1 km

Kilometer insgesamt: 373 km

Auf Instagram und Strava könnt ihr noch mehr über meine Marathonvorbereitung erfahren.

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