Das "richtige" Training für einen Marathon?

Noch 287 Tage bis Rainer Ziplinsky, Gründer von ZIPPEL’S Läuferwelt noch einmal einen Marathon laufen will. Und das mit 70 Jahren! Er hat sich hohe Ziele gesetzt und ist fest entschlossen, die 42,195 Kilometer in unter 3:30 Stunden zu schaffen. In diesem Blog berichtet er über seine Vorbereitung, seine Ziele und von den Höhen und Tiefen, dass das Lauftraining mit sich bringt.

Die 10. Trainingswoche war endlich wieder erfolgreich und hat Spaß gemacht. Ich konnte meinen Trainingsumfang bei 5 Läufen wieder auf 53 km steigern. Und das beschwerdefrei. Dabei habe ich neben der Bülk-Runde von Strande eine weitere Lieblingsstrecke für mich entdeckt. Diese führt von Strande über Schilksee bis zum Friedrichsorter Leuchtturm und zurück. Die Streckenlänge beträgt knapp 12 km. Vielleicht verbinde ich bald meine beiden Lieblingsstrecken und kann damit eine Halbmarathondistanz laufen.

Am vergangenen Dienstag besuchte mich überraschenderweise mein früherer Lauffreund Rüdiger Grube. Wir saßen fast drei Stunden zusammen, in denen wir mehr als 30 Jahre Vergangenheit aufarbeiteten und in alten Erinnerungen schwelgten. Rüdiger hat als Bestzeiten 29:47 Minuten über 10 km, 1:15,30 Stunden im Halbmarathon und 2:18,12 Stunden im Marathon. Er war maßgeblich dafür verantwortlich, dass ich meine Laufeinheiten konsequent auf die Trainingsmethode nach Ernst van Aaken, dem Erfinder des „Waldnieler Dauerlauftrainings“ umgestellt habe.

Ich lernte Rüdiger Anfang der 70er-Jahre zu Beginn seiner Karriere kennen. Wir trafen uns zufälligerweise am Heiligabend auf meiner Trainingsrunde. Rüdiger war schon ca. 8 km von seinem zu Hause unterwegs und wir liefen dann gemeinsam meine knapp 10 km lange Standardstrecke um den Rosensee in Schwentinental. Normalerweise lief ich diese Runde zwischen 34 und 40 Minuten. An jenem Tag benötigten wir aber über 60 Minuten. Ich fühlte keinerlei Anstrengung und Erschöpfung und war völlig unbefriedigt. Meine feste Überzeugung war, das Training hätte ich mir schenken können. In den Folgejahren sahen wir uns dann gelegentlich bei Wettkämpfen, trainierten aber nicht gemeinsam. Rüdiger entwickelte sich dann von Jahr zu Jahr immer besser, während ich stagnierte. Aber 1977 verabredeten wir uns doch wieder für einen gemeinsamen Lauf. Nachdem er am Vormittag schon 20 km gelaufen war, liefen wir am Nachmittag gemeinsam 25 km und benötigten 2:20 Stunden. Das war für mich der Start für langsame und lange Läufe und der Beginn einer Läuferfreundschaft. Mindestens zweimal in der Woche verabredeten Rüdiger und ich mich ab dem Zeitpunkt für ein gemeinsames Training und sind in den nächsten Jahren unzählige Kilometer zusammengelaufen. Meine läuferische Entwicklung nahm jetzt auch Gestalt an und ich verbesserte mich stetig. Dennoch erreichte ich mit ca. 130 – 150 Wochenkilometern nicht den Umfang von Rüdiger, der meistens 160 – 200 Kilometer pro Woche erreichte. Von 1980 an startete ich dann auch für Gut-Heil Neumünster, neben der LG Itzehoe und Phönix Lübeck, eine der Hochburgen des Laufens in Schleswig-Holstein. Nach derselben Trainingsmethode trainierten in diesem Verein weitere erfolgreiche Läufer, wie beispielsweise Roland Szymaniak, der eine Marathonbestzeit von 2:15 Stunden erzielte und mehrere Ergebnisse zwischen 2:16 und 2:20 aufweisen konnte. Roland trainierte zu dem Zeitpunkt Woche für Woche zwischen 200 und 240 km. 

Als Jugendlicher und Junior begann ich mein Lauftraining noch überwiegend mit Intervallen und Tempoläufen auf der Bahn. Die Belastung wurde von meinem damaligen Trainer, Klaus Gettner, nach erzielten Leistungen und vagen Einschätzungen festgelegt. Das hatte, rückwirkend betrachtet, den Effekt, dass das Training häufig zu hart war und meine Erholung zu gering. Auch meine 10 Kilometer Dauerläufe waren meistens zu intensiv. Die Folge davon war, dass ich zwar eine Zeit lang gute Leistungen erzielte, dann aber einen Leistungsabfall durch Übertraining hatte. Wilhelm Grube, der Vater von Rüdiger, führte mit meinem damaligen Trainer intensive Diskussionen über die unterschiedlichen Trainingsmethoden. Nach den Vorstellungen von Klaus Gettner sollte es nicht möglich sein, ohne Tempotraining schneller zu werden. Wie beschrieben haben diese Auffassung aber obige Läufer, unter anderem auch ich eindrucksvoll widerlegt und sind mit der reinen Ausdauermethode überaus erfolgreich geworden. Diese Erfahrungen bestärken mich natürlich, die Vorbereitung für meinen Frühjahrsmarathon 2022 genauso zu gestalten wie mein früheres Lauftraining. Allerdings mit nur 80 – 100 Laufkilometern.

Die Diskussion um das richtige Lauftraining ist auch heute noch hoch aktuell.

Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?

Wochenkilometer: 53 km

Kilometer insgesamt: 426 km

Auf Instagram und Strava könnt ihr noch mehr über meine Marathonvorbereitung erfahren.

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Comments

  • Über das Buch: "Warum wir laufen" von Ronald Reng bin ich auf van Aaken gestoßen. Habe 2019/2020 die Erfahrungen machen müssen dass er Recht hat. Seit dem Laufe ich sehr viele Läufe sehr ruhig und werde besser!

    Posted vor 2 Monate by Börge Hubrig
    • Interessante Ausführungen und ein guter Ausflug in die Laufhistorie! Inzwischen gilt wohl in der Trainingslehre eine Mischform der beiden Extremen als die bessere Alternative. Ins Übertraining kommt man auch gar nichts, wenn man das Prinzip der Jahresperiodisierung beherzigt.
      Freue mich auf weitere Berichte und weiterhin viel Freude beim trainieren. Toll, dass Du Die noch so ein Ziel setzt.
      Ich hab keine Zweifel, dass die 3:30 locker unterboten werden!

      Posted vor 2 Monate by Stefan

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